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Was die Qualitätsprüfung 2026 beschäftigen wird

Optische Prüfzelle im Einsatz als Sinnbild für die Qualitätssicherung 2026 in der industriellen Fertigung

Zum Jahresbeginn zunächst die wichtigste Feststellung: Die grundlegenden Fragen der optischen Prüfung ändern sich nicht jährlich. Ein Merkmal muss abbildbar sein, die Erkennung muss reproduzierbar sein, und das Ganze muss in die Linie passen. Was sich für die Qualitätssicherung 2026 verschiebt, sind die Anforderungen ringsum. Drei davon begegnen uns derzeit besonders häufig.

Qualitätssicherung 2026: Rückverfolgbarkeit wandert von der Charge zum Teil

Der Nachweis, dass eine Charge geprüft wurde, verliert an Aussagekraft. Was zunehmend verlangt wird, ist die Zuordnung zum einzelnen Teil: Welche Messwerte wurden an diesem konkreten Bauteil erfasst, von welchem System, mit welchen Einstellungen, zu welchem Zeitpunkt.

Für die Prüftechnik hat das zwei Folgen. Erstens muss jedes Teil eindeutig identifizierbar sein – womit die Qualität der Markierung selbst zum Prüfmerkmal wird. Zweitens müssen die Prüfdaten strukturiert und über Jahre abrufbar abgelegt werden. Die Anlage ist dann nicht mehr nur eine Sortiereinrichtung, sondern eine Datenquelle.

Manuelle Sichtprüfung lässt sich kaum noch besetzen

Der Punkt, den wir in Gesprächen am häufigsten hören, ist selten technischer Natur. Die Stellen in der manuellen Sichtprüfung lassen sich nicht mehr zuverlässig besetzen, und dort, wo es gelingt, ist die Fluktuation hoch. Eingearbeitete Prüferinnen und Prüfer sind schwer zu ersetzen, weil ein erheblicher Teil ihrer Leistung auf Erfahrung beruht, die nicht dokumentiert ist.

Damit verschiebt sich die Begründung für Automatisierung. Sie erfolgt nicht mehr in erster Linie, weil eine Maschine genauer wäre, sondern weil die Kapazität schlicht fehlt. Das verändert auch die Wirtschaftlichkeitsrechnung: Verglichen wird nicht mehr mit einer funktionierenden manuellen Prüfung, sondern mit einer, die es so nicht mehr gibt.

Deep Learning verlässt die Machbarkeitsphase

Lernende Verfahren sind in der Bildverarbeitung seit Jahren verfügbar. Was sich derzeit ändert, ist ihr Status: Sie wandern aus der Erprobung in Anlagen, die im Serienbetrieb laufen und abgenommen werden müssen. Damit werden Fragen relevant, die in der Machbarkeitsphase keine Rolle spielten – wie ein trainiertes Modell versioniert wird, wie eine Entscheidung nachvollziehbar bleibt, was bei einer neuen Bauteilvariante passiert und wer die Verantwortung trägt, wenn das Modell nachtrainiert wird.

Unsere Haltung dazu ist unverändert: Lernende Verfahren gehören dorthin, wo sich das Gutbild nicht in Regeln fassen lässt – typischerweise bei Anomalien auf variablen Oberflächen. Maß, Lage, Anwesenheit und Codes werden weiterhin regelbasiert und damit deterministisch geprüft. Mehr dazu unter KI Vision und Deep Learning.

Ein guter Start

Was das für Investitionsentscheidungen bedeutet

Alle drei Entwicklungen verschieben denselben Punkt: den Zeitpunkt, zu dem eine Prüfanlage sich rechnet. Früher stand am Anfang meist ein konkretes Qualitätsproblem, das eine Investition ausgelöst hat. Zunehmend sind es strukturelle Gründe – eine Nachweispflicht, die im nächsten Audit greift, oder eine Stelle in der Sichtprüfung, die seit Monaten unbesetzt ist.

Praktisch heißt das, dass die Machbarkeit früher geklärt werden sollte als früher üblich. Zwischen der Entscheidung für eine Prüfanlage und ihrer Inbetriebnahme liegen je nach Umfang mehrere Monate. Wer erst zu klären beginnt, wenn die Anforderung bereits verbindlich ist, gerät unter Zeitdruck – und Zeitdruck ist bei Sonderanlagen der teuerste aller Einflussfaktoren.

Eine Machbarkeitsprüfung kostet dagegen wenig und ist unabhängig davon nützlich: Sie liefert eine belastbare Aussage, mit der sich intern planen lässt, auch wenn die Investition erst im Folgejahr ansteht.

Für die Qualitätssicherung 2026 folgt daraus vor allem eines: Die technische Klärung sollte von der Budgetentscheidung entkoppelt werden. Beides gleichzeitig zu verhandeln kostet Zeit, die am Ende des Projekts regelmäßig fehlt.

Wir wünschen Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2026. Wenn eine Prüfaufgabe auf Ihrer Liste steht, bei der Sie nicht sicher sind, ob sie optisch lösbar ist: Schicken Sie uns Musterteile. Die Antwort darauf ist der beste erste Schritt. Zum Kontakt.

Weiterführende Quellen: Marktzahlen und Branchenprognosen für die Bildverarbeitung veröffentlicht der VDMA Industrielle Bildverarbeitung; europäische Entwicklungen und Normungsvorhaben begleitet die European Machine Vision Association.